Glasfront, dahinter Klinkerbau
Der Erweiterungsbau des Kindergartens
Auftraggeber: Bezirksamt Mitte von Berlin

Bauherr: Evangelischer Kirchenkreis Berlin Mitte

Projektsteuerung: STATTBAU GmbH

Finanzierung (Förderprogramme etc.): Stadtumbau Ost (ca. 1,14 Mio. EURO), Eigenmittel Evang. Kirchenkreis, Eigenmittel Bezirksamt Mitte

Gesamtbaukosten: 1.788.000 EURO

Realisierungszeitraum: 2008 - Juni 2009

Projektdokumentation:

aktuellabgeschlossen
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Kindergarten Elisabethkirchstraße 20

Die Rosenthaler Vorstadt ist auch durch die Sanierung und die Stadtumbauprojekte der letzten Jahre zu einem bei jungen Familien sehr beliebten Stadtquartier geworden. Die Geburtenzahlen steigen hier und der Bedarf an Kindergartenplätzen ist groß. Nach dem Abbruch einer Schule aus den 70er Jahren konnte in der Elisabethkirchstraße eine Erweiterung des Gemeindekindergartens entwickelt werden. Das Architekturbüro meyer große hebestreit sommerer (mghs) gewann den dazu durchgeführten Realisierungswettbewerb und wurde mit der Planung und Durchführung der Bauarbeiten beauftragt.

Die Kindertagesstätte steht an einem besonderen Ort, geprägt durch das denkmalgeschützte Ensemble an der Elisabethkirchstraße mit mehreren Einzeldenkmalen, insbesondere der Kirche St. Elisabeth von Karl Friedrich Schinkel.

Die historisch gewachsene städtebauliche Situation hat ihre Eigenart. Ein Baufeld, das von den geschlossenen Fronten der Wohnhäuser an Invalidenstraße, Ackerstraße und Elisabeth-kirchstraße begrenzt wird, ist durch kirchliche Bauten des 19. Jahrhunderts geprägt, die inselartig als kompakte Baumasse erscheinen. Auf der angrenzenden unbebauten Fläche soll ein kleiner Park entstehen. Die Kindertagesstätte bildet den Abschluss der Bebauung zum Park.

Eine einfache Geometrie, eine klare plastische Ausbildung des Baukörpers bildeten den Entwurfsansatz. Ein lang gestreckter, flacher Kubus lagert - an den Stirnseiten auskragend - auf einem zurückgesetzten Unterbau. Straßenseitig schiebt sich der Baukörper kräftig in den entstehenden Vorplatz und bildet mit seiner geschlossenen Stirnseite das plastische Gegengewicht zur reich gegliederten viergeschossigen Fassade des denkmalgeschützten Altbaus. Der Unterbau wird zum transparenten Verbinder zwischen beiden Teilen und selbstverständlich zum neuen Eingangsbereich mit großzügigem Foyer. Das Erdgeschoss nimmt die Bauflucht des Altbaus auf und verlängert sie unter dem auskragenden Kubus bis zur Gartenseite. Die entstehende Trennlinie zwischen öffentlicher Fläche und Gartenbereich ist durch eine Wand markiert. Es entsteht ein dreieckiger kleiner Vorplatz, teilweise geschützt durch die Auskragung des Baukörpers, ein kleinteiliger Platz mit Baum, Bank, Pflaster und Stufen. Die Kirche St. Elisabeth und die Häuser an der Elisabethkirchstraße bilden mehrere räumliche Aufweitungen mit hoher Verweilqualität - mit dem kleinen Platz ist ein neues Element hinzu gekommen.

Im Verbindungsbau zwischen Altbau mit bestehender Kindertagesstätte und Neubau ist das zentrale Foyer angeordnet. Von hier aus erreicht man die bestehende Kindertagesstätte über eine Verbindungstür.

Eine mittig im Foyer angeordnete zentrale Treppe teilt den Raum und bildet hofseitig einen separaten Bereich, der als Elternsprechbereich genutzt werden kann. Direkt am Foyer ist ein multifunktionaler Bewegungsraum angeordnet, der durch eine Schiebewand dem Foyer zugeschaltet werden kann. Die Grundrisse im Erd- und Obergeschoss sind eindeutig zoniert: in Hauptfunktionsbereiche (Gruppenräume) auf der Westseite und Nebenfunktionsbereiche auf der Ostseite/Hofseite (Waschräume, Garderoben, Küchen, Nebenräume).

Alle Gruppenräume sind zur Langseite und somit zum Grün orientiert. Durch großzügige Verglasungen wird die Trennung zwischen innen und außen aufgehoben. Im Erdgeschoss ist ein kleinteiliger, hausnaher Spielbereich mit Terrassen und Sitzmauern auf die gesamte Gebäudelänge ausgebildet, der einer großzügigen Wiesen- und Tobefläche gegenübersteht. Durch einen leichten Niveauunterschied zwischen hausnahem Spielbereich und der höher gelegenen Wiese werden unterschiedliche Wahrnehmungen erzeugt: von außen gesehen fließt die Wiese optisch bis ans Gebäude, von innen gesehen erweitern sich die Gruppenräume in den Freiraum. Der hausnahe Bereich ist teilweise vom Obergeschoss überdeckt und bietet geschützte Rückzugsbereiche.

Das Gebäude ist als Stahlbetonbau mit tragenden Wänden, Einzelstützen, Unterzügen, Flachdecken ausgebildet. Außenwände sind  als Dreischichtenkonstruktionen aus Stahlbeton mit Sichtbetonoberflächen. Im Kontrast zu den schweren Flächen stehen großflächige Stahl-Glas-Fassaden, mit dunkelgrauen Profilen graphisch abgesetzt. Die Fassaden werden durch diesen Flächenkontrast sowie die Plastik des Baukörpers bestimmt.

Der kubische Baukörper wird durch flache Dächer abgeschlossen, die durch Oberlichtkuppeln und Gründach aufgewertet werden. Maßnahmen zur Energieeinsparung waren von Beginn an fester Bestandteil der Planung. Gründach, Regenwasserspeicherung und -nutzung als Brauchwasser und eine Solaranlage auf dem Dach (Flachkollektoren) unterstreichen die ökologische Ausrichtung der Kindertagesstätte.

Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Oberflächen ist eine wertvolle Lernerfahrung für die Kinder. Aus diesem Grund wurde auf Verkleidungen fast vollständig verzichtet. Die Materialien von Roh- und Ausbau sind erlebbar und zu „begreifen“: Beton, Stahl, Holz etc.

Abgesehen von einzelnen Akzenten ist die Raumgestaltung zurückhaltend. Es wurde darauf geachtet, die Räume nicht mit Gestaltung zu überfrachten, es soll „Raum“ für die Entfaltung der Kinder bleiben.  Ein künstlerischer Schwerpunkt ist gesetzt: Das Foyer wird geprägt durch die intensiven Farben der konkreten Kunst von Mario Monden.

Der Entwurf baut auf emotionale Spannung zwischen historischen Räumen im denkmalgeschützten Altbau und lichten, hellen, raumhoch verglasten Gruppenräumen im Neubau. Für die Kinder entsteht ein Umfeld für differenzierte räumliche Wahrnehmung, vielleicht auch die Möglichkeit der (unterbewussten) Zuordnung zur Entstehungszeit ihres Hauses.

Siehe auch Projekt Park Elisabethkirchstraße

Text: J. Große, mghs, bearb. A. Stahl, Foto: mghs

Ansprechpartner

Nikoleit, Birgit
Bezirksamt Mitte von Berlin
Abteilung Stadtentwicklung
13341 Berlin
Tel: (030) 9018 45799
E-Mail: birgit.nikoleit[at]ba-mitte.verwalt-berlin[.]de
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