Das Fördergebiet Marzahn-Hellersdorf
Wo sich heute Deutschlands größtes Plattenbaugebiet erstreckt, siedelten bereits vor 10.000 Jahren die ersten Menschen. Später entstanden Dörfer wie Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn, um 1300 erstmalig als "Morcane" erwähnt. Wie andere Gemeinden kamen sie 1920 zum Berliner Stadtgebiet.
Um die anwachsende Bevölkerung zu versorgen, pflanzten die Anwohner bereits 1857 rings um Marzahn Gemüse an. Auch nach 1945, als die wenigen Industriebetriebe wie die Werkzeugmaschinenfabrik Marzahn wieder aufgebaut wurden, blieb die Landwirtschaft Haupterwerbszweig der Menschen.
Dann kam 1973 das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm der DDR. Dazu wurden eigens einige Stadtteile zum neuen Bezirk Berlin-Marzahn zusammengelegt und dann im Sommer 1977 an der Marchwitzastraße die ersten Platten montiert.
Anfangs waren 35.000 Wohnungen geplant, hinzu kamen Schulen, Kitas, Polikliniken, Geschäfte, Gaststätten, Jugendklubs, auch ein Kino und ein Kaufhaus und sogar Kirchen und Gemeindehäuser.
Ab 1982 fuhr die S-Bahn bis Ahrensfelde, ab 1988 die heutige U 5 bis Elsterwerdaer Platz. Der alte Dorfkern Marzahn mit der 1871 erbauten Kirche und dem Nachbau der historischen Marzahner Mühle wurden liebevoll restauriert. Der neue Stadtteil erhielt ein eigenes Gesicht, das nicht mehr von Baukränen geprägt war.
Die Zahl der Wohnungen erhöhte sich bis 1990 in Marzahn auf 60.000. Im 1986 neu gegründeten Stadtbezirk Hellersdorf kamen bis zum Ende der DDR weitere 40.000 Wohnungen dazu. Doch nach der Wende setzte eine große Umzugsbewegung ein. Die Kinder der ersten Bewohner gründeten eigene Haushalte, viele wanderten ab ins Umland. Mehr als 25 Prozent der Bewohner verließen in den 90er Jahren Marzahn und Hellersdorf.
Der Bevölkerungsrückgang ist bei immer noch hoher Fluktuation derzeit nahezu eingedämmt. Flächendeckende Sanierung von Wohnungen und Infrastruktur und das Stadtumbau-Programm haben die Attraktivität des Wohngebiets nachhaltig verbessert.
Informationen
Fläche: rd. 1896,5 ha
Einwohner: rd. 170.488 (Stand: 31.12.2008)
Wohnungen: rd. 98.515 (Stand: 01.07.2008)
Dokumentation des Fördergebiets:
Ziele
Mit dem Stadtumbau-Programm soll durch Rückbau nicht mehr benötigter Wohnungen der Leerstand verringert werden. Durch die gleichzeitige Aufwertung des Wohnumfeldes und der sozialen Infrastruktur wird aus der kompakten Großsiedlung eine differenzierte Stadtlandschaft geschaffen.
Beide Großsiedlungen sollen sich dadurch langfristig zu „Grünen Städten“ als Teil der Berlin-Barnimer Großstadtlandschaft in der Hauptstadtregion entwickeln.
Das Leitbild des Bezirks beschreibt Marzahn und Hellersdorf perspektivisch als Wohnort für unterschiedliche Alters- und soziale Gruppen. Dabei soll die besondere Umgebung an der Grenze zu Brandenburg für Wohnen und Freizeit sinnvoll genutzt werden. Innerhalb der Großsiedlungen sollen sich identifizierbare Stadtteile und Quartiere heraus bilden oder weiter entwickeln. Stadtteilzentren werden als urbane Orte weiter qualifiziert.
Die historischer Struktur der alten Dorfbereiche von Marzahn und Hellersdorf wird besser mit den Großsiedlungen vernetzt. Es werden zusammen hängende "grüne Bänder" geschaffen, die vorhandene Parks und Landschaften vereinen. Auch die gute Erreichbarkeit mit den Arbeitsorten in der Region ist ein wesentliches Ziel der mittelfristigen Entwicklung.
Schwerpunktbereich Marzahn-Nord
Im Vertiefungsgebiet "Marzahn Nord" ist der Stadtumbau im Wesentlichen abgeschlossen, und zwar so beispielhaft, dass sich mehrfach internationales Fachpublikum hier umgesehen hat.
Aus unsanierten Elfgeschossern wurde durch eine Mischung aus Komplettabriss und Teilrückbau die "Ahrensfelder Terrassen" - eine lebendige drei- bis sechsgeschossige Stadtlandschaft. Die mit vielfältigen Grundrissen ausgestatteten Wohnungen sind nicht zuletzt wegen ihrer großen Dachterrassen sehr beliebt. Ein Vorzeigeprojekt des privaten Wohnungs-Unternehmens degewo, dass jedoch wegen der hohen Kosten nicht repräsentativ für den Stadtumbau Ost insgesamt sein kann.
Die soziale Infrastruktur im Nordteil Marzahns wurde auf das nötige Maß zurück genommen. Gebäude, die eine dauerhafte Perspektive bei der Versorgung der Bevölkerung haben, wurden sowohl gestalterisch als auch funktional grundlegend aufgewertet, wie die Selma-Lagerlöf-Grundschule.
Auch das Wohnumfeld erfuhr im Zusammenhang mit dem Rückbau eine Aufwertung. Hervorzuheben ist hier die Freiflächengestaltung im Schorfheideviertel. Mit großer Beteiligung der Anwohner wurde hier die namensgebende Schorfheidelandschaft im kleinen nach gebildet.
Die durch das Quartiersmanagement bereits etablierten Beteiligungsstrukturen waren für die Umsetzung der Projekte im Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner eine große Hilfe.
Schwerpunktbereich Ringkolonnaden
Die so genannten Ringkolonnaden bilden mit ihrer markanten städtebaulichen Figur einen Identifikationsort für viele Bewohner Marzahns. Kaum ein anderer Ort in der Großsiedlung ist so gut mit zeitgemäßer Infrastruktur ausgestattet wie das umliegende lokale Zentrum. Die Verkehrsanbindung ist mit S-Bahn und Tram hervorragend. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Bürgerpark.
Das Gebiet ist durch eine Mischung aus Neu- und Plattenbauten geprägt. Die Bewohnerzahl ist nach wie vor rückläufig, der Anteil der über 65jährigen wächst, aber auch die Zahl der Kinder unter 6 Jahren steigt wieder. Teile der Wohn- und Geschäftshäuser waren infolge der demographischen Entwicklung und des Wegzugs von hohem Leerstand betroffen. In den letzten Jahren entstanden hier durch Um- und Teilrückbau bereits ein Seniorenwohnheim sowie seniorengerechte Wohnungen.
Der Südflügel der Ringkolonnaden, ein ehemaliges Kaufhaus, stand seit 1998 leer. Auch der Nordflügel ist mit seinen kulturellen Angeboten nicht mehr ausgelastet. Um die Zukunft dieser markanten Gebäude entbrannte eine Diskussion im Viertel. Deshalb wurde 2007 eine öffentliche Stadtumbau-Werkstatt organisiert. Lokale Akteure, Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers sowie Mitarbeiter der Verwaltung und fünf Architektur- und Planungsbüros nahmen daran teil.
Im Ergebnis wurde eine Synthese aus Um- und Rückbau sowie neuer Nutzungsmöglichkeiten gefunden. Kern der zukünftigen Entwicklung ist der Ausbau der Friesen Grundschule zu einer Stadtteilschule als Quartiersmittelpunkt. Weiterhin entschied sich die degewo für das Wohngebäude Mehrower Allee 38 gegen einen Komplettabriss und für einen Teilrückbau. Hier entstand ein attraktives Wohnhaus mit Mietergärten und altersgerechten Wohnungen für jung und alt.
Schwerpunktbereich Kienbergstraße/am Anger
Eigenheime am Rande der Großsiedlung, von dicht gebauten Sechs- und Elfgeschossern fast erdrückt, gehören seit langem zum Gebiet Kienbergstraße/Am Anger unweit des alten historischen Dorfkerns von Marzahn. Die Großsiedlung soll auch zukünftig nach Möglichkeit mit anderen Wohnformen - bevorzugt mit Eigentumswohnungen - angereichert werden, um eine Stabilisierung der Bevölkerungsentwicklung zu erreichen.
Der "Hain der Freundschaft" wird als wichtige Verbindung zwischen dem alten Dorf Marzahn und dem großen Naherholungsgebiet "Gärten der Welt" neu gestaltet. Durch die Wiederherstellung historischer Raumbezüge und Wege wird das Quartier aufgelockert.
Infolge der Bevölkerungsentwicklung verschwanden Kita- und Schulgebäude sowie ein Kinderheim. Anstelle einer alten Schule hat die Grundschule "An der Mühle" nun einen attraktiven Schulhof und moderne Sportanlagen erhalten. Grün ist auch hier die vorherrschende Farbe.
Vertiefungsgebiet Alt-Hellersdorf
Das Vertiefungsgebiet "Alt-Hellersdorf" ist das einzige mit einem Baudenkmal, dem Gutshof Hellersdorf. Die alten Gebäude und Stallungen werden denkmalgerecht saniert und für kulturelle und soziale Zwecke hergerichtet, so entsteht zum Beispiel eine Kulturscheune.
Modernisierung steht bei den Wohnungsbeständen im Grabenviertel im Vordergrund. In diesem Stadtteil macht sich der Geburtenrückgang besonders bemerkbar - sechs Schulgebäude und eine Kita werden ganz oder teilweise abgerissen.
Entsprechend der Wünsche der Bewohner sind Mietergärten vorgesehen, frei werdende Flächen werden temporär oder dauerhaft begrünt sowie der Gutspark neu bepflanzt.
Vertiefungsgebiet Magdeburger Allee
Aufwertungsmaßnahmen bestimmen den Stadtumbau Ost im Vertiefungsgebiet "Magdeburger Allee".
Speziell an der Hellersdorfer Promenade erhalten die Fassaden ein attraktiveres Gesicht. Neue Beleuchtungsanlagen und verkehrsberuhigende Maßnahmen sollen das Sicherheitsgefühl erhöhen.
Balkons und Küchen mit Fenster stehen auf der Wunschliste der Mieter ganz weit oben, dem wird durch variable Grundrissänderungen Rechnung getragen. Die kleinen 4-Raum-Wohnungen werden zusammengelegt und so bedarfsgerecht für bestimmte Zielgruppen wie Senioren und Studenten angepasst. Zukünftig soll man auf ehemaligen Kindertagesstätte sogar Beachvolleyball spielen können.
Vertiefungsgebiet Gelbes Viertel
Obwohl das sechste Vertiefungsgebiet "Gelbes Viertel" genannt wird, überwiegt die Farbe Grün. Besonders in den Wohnhöfen wurden in der Vergangenheit kleine lauschige Ruheoasen geschaffen, die Wege durch das Viertel sind von Bäumen und blühenden Gehölzen gesäumt.
Im Gegensatz dazu wurde an den Wohnungen kaum etwas gemacht, abgesehen von kleineren Sanierungsmaßnahmen. Auch die Fassaden haben nur frische Farben bekommen und entsprechen nicht den heute üblichen Ansprüchen an Wärmedämmung. Die Aufwertung der Gebäude hat hier oberste Priorität, um die Wohnqualität nachhaltig zu verbessern, denn das Quartier verfügt mit dem Haus der Gesundheit, dem Kulturforum und einem kleinen Einkaufscenter über eine sehr gute Infrastruktur.
Stand der Sanierung
Derzeit stehen in Marzahn durchschnittlich 11 und in Hellersdorf 12 Prozent des Wohnungsbestandes leer. In den Vertiefungsgebieten der beiden Großsiedlungen werden diese Werte zum Teil erheblich überschritten: Im Gebiet "Marzahn-Nord" lag die durchschnittliche Leerstandsquote 2001 bei 21 Prozent, im Quartier "Ringkolonnaden" sogar bei 27 Prozent. Besonders unsanierte Wohnungen mit schlechter Ausstattung sind betroffen.
Dies gilt auch für die Gebiete "Kienbergstraße/Am Anger" und "Alt-Hellersdorf" mit punktuellen Wohnungsleerständen von bis zu 30 Prozent. Im Quartier "Magdeburger Allee" stehen bei einer durchschnittlichen Quote von 13 Prozent teilweise einzelne Objekte komplett leer. Wird dem nicht gegengesteuert, werden in den Großsiedlungen in den nächsten zehn Jahren rund 17.000 Wohneinheiten unbewohnt sein.
Ähnlich sieht der Trend bei Gemeinschaftsbauten aus: in 5 von 72 Schulen lernen keine Schüler mehr, 11 weiteren Schulen droht die Aufgabe. Von 58 Kitas werden 38 nicht mehr genutzt.
In Marzahn-Hellerdorf werden bis 2012 bis zu 8.000 Wohnungen vom Markt genommen.
Allein in "Marzahn-Nord" wird sich Zahl der insgesamt 4.265 Wohnungen um weit mehr als ein Drittel reduzieren. Im Quartier "Magdeburger Allee" ist der Rückbau von etwa 120 und die Sanierung von 1.132 Wohnungen vorgesehen. Besonders problematisch ist die Situation im "Gelben Viertel", wo nahezu der gesamte Bestand unsaniert ist.
Aktuelle Informationen (2007) zu Projekten in Hellersdorf im
Flyer "Informationen zum Stadtumbau: Großsiedlung Hellersdorf"
Ausstellung "Stadtumbau in Berlin - eine Zwischenbilanz" eröffnet
21.07. - 19.08. im Gebäude der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Interessenbekundungsverfahren für Bürgergarten Moabit
Für Gemeinschaftsgarten wird ein Träger gesucht
Park in der Rüdickenstraße in Hohenschönhausen wird am 1.9. eingeweiht
BMX-Bahn und Spielplatz wurden zum Ferienbeginn übergeben
Thesenpapier zur Profilierung des Stadtumbau Ost ab 2010
Dokument ist Ergebnis einer Workshopreihe von BMVBS, BBSR und Bundestransferstelle
Stadtumbau in Buch beginnt mit zwei Projekten des Jugendamtes
Kitagebäude wird zum Beratungs- und Nachbarschaftshaus













